"Birimunye Nursery School" - Kindergarten in Uganda

Kindergarten

Bild Birimunye Nursery School

Entstehung/ Finanzierung

Gegründet und aufgebaut wurde der Kindergarten von der Uganderin Cate Naggai. Aufgrund guter Schulleistungen bekam sie 1970 die Möglichkeit in Schottland eine zwei-jährige Erzieherinnenausbildung zu absolvieren. Danach kehrte sie nach Uganda zurück und unterrichtete in verschiedene Erzieherinnenschulen, um ihr Wissen weiterzugehen. Die einfühlende Haltung stellt eine gute Alternative zur Erziehungsmaßnahmen wie Schläge dar (was bis heute keine Seltenheit in Ugandas Schulen ist).

Begeistert von Cates Art mit Kindern umzugehen und fasziniert von ihrer Arbeit, unterstützte ein Ehepaar in Uganda Cate 1986 und ermutigte sie mit 100.000 USh (ca. 67 €) eine Institution für Vorschulkinder aufzubauen. Von diesem Geld mietete Cate Naggai einen Raum, kaufte zwei Tische und vier Bänke und die Birimunye Nursery School war entstanden.

Im Laufe der Zeit hat sich natürlich viel verändert, Cate mietete ein Haus, für das sie monatlich 120.000 USh (80 €) bezahlen sollte. Doch das Schulgeld, das die Kindergartenkinder bezahlen, reichte nicht weit – bedenkt man, dass drei Erzieherinnen und deren Kinder davon leben müssen.

Aus verschiedenen Gründen war es nicht möglich, regelmäßig die Mietkosten zu bezahlen. Der ugandische Hausbesitzer gab sich jedoch in den letzten Jahren damit zufrieden, immer wieder eine Mietnachzahlung zu bekommen. Im April 2002 konnte dieses Problem dank der vielen Spenden aus Deutschland mit dem Kauf des Gebäudes gelöst werden (ca. 8000 €).

Während meines achtwöchigen Aufenthaltes haben wir es geschafft, das Gebäude am 5.April 2002 zu kaufen, was viele Gespräche und Verhandlungen erforderte – aber auch Kleinigkeiten, die man bei einem Hauskauf in Deutschland wohl nicht zu befürchten hat, machten der Kauf kompliziert: So konnte der Besitzer des Hauses beispielsweise kein Englisch und ich natürlich kein Luganda. Ebenso dauerte es mehrere Stunden den Vertrag am Computer von Caritas Maddo auszudrucken, weil der Strom an diesem Tag immer wieder ausfiel. Nichts desto trotz, der Vertrag besagt folgendes:

Besitzerin des Gebäudes ist Cate Naggai

Administrator ist der Bischof von Masaka (momentan Bischof John Baptist Kaggwa), der das Bestehen des Kindergartens gewährleistet und sich um die Einrichtung kümmert (die Administration hat Father Ssekewa von Caritas Maddo übernommen, der sich um Renovierungsarbeiten und Finanzierung kümmert)

So ist nun gewährleistet, dass der Kinder von Nyendo auch in Zukunft einen Kindergarten haben.

Bedeutung des Kindergartens

Der Kindergarten läuft recht gut. Zwischen 50 und 70 Kinder besuchen regelmäßig den Kindergarten und werden so auf die Grundschule vorbereitet. Die Kindergartenzeit ist in Trimester eingeteilt und für gewöhnlich besuchen die Kinder den Kindergarten zwei Jahre lang. Die Nursery Schools in Uganda sind sehr verschult, so gehört es zum Standard, dass Mathematik, Englisch (Lesen und Schreiben) und andere Fächer unterrichtet werden. Der Kindergarten soll zunächst auf die Schule vorbereiten. Die Birimunye Nursery School bietet meiner Meinung nach darüber hinaus die Möglichkeit zur Entwicklung im Spiel, Begegnung mit anderen Kindern. Aber auch die Bedeutung von soziale Kontakte, geschützter Raum für Entwicklung und Entfaltung und die Möglichkeit für Eltern ihre Kinder in guten Händen zu wissen und arbeiten zu können, dürfen nicht unterschätz werden.

Kindergartenalltag

Tagesablauf:

8.00 Uhr Kindergartenbeginn
Begrüßung und Gebet
bis
9.00 Uhr
Gemeinsames Spiel und Sport
9.00 Uhr 1. Unterrichtseinheit
10.30 Uhr Vesperpause
bis
11.30 Uhr
freies Spiel
11.30 Uhr 2. Unterrichtseinheit
12.30 Uhr Gemeinsames Ende

Zunächst - und ganz wichtig - muss betont werden, dass es im Kindergarten keine Uhr gibt (dies hat weniger methodische Gründe, als ganz einfach den Umstand, dass weder Cate noch eine andere Erzieherin eine Uhr besitzt). So sind also die Zeiten sehr flexibel. Die Kinder gehen nach Hause, wenn sie von ihren Eltern abgeholt werden, die Pausen finden nach Bedarf statt.

Beten

Der Tagesablauf soll verdeutlichen, dass es sich tatsächlich um zwei Unterrichtseinheiten handelt, diese aber durch freies Spiel und Gruppenspiele unterbrochen sind. Momentan sind zwei Erzieherinnen und Cate Naggai, die Leiterin, im Kindergarten beschäftigt. Die drei Erzieherinnen sind bemüht, den Kindern auf spielerische und liebevolle Art und Weise die Grundkenntnisse für die spätere Schule beizubringen. Die Birimuye Nursery School ist ein Ort, an dem sehr liebevoll miteinander umgegangen wird, was es für mich zu einem sehr kostbaren Ort macht, da würdevoller Umgang in Schulen in Uganda meist nicht die Stärken der LehrerInnen ist.

Die Klassenräume lassen lediglich eine Aufteilung in zwei Gruppen zu, so dass es noch einen Bastel- und Spielraum gibt, im Hof besteht die Möglichkeit Sport und Musik zu unterrichten und hinterm Haus befindet sich ein kleiner Spielplatz mit Holzrutschen und Schaukeln. Sowohl der Unterricht, als auch die Spielphasen, werden mit einfachsten Materialien gestaltet - aus Naturgegenständen entstehen Spielsachen wie Puppen, Autos, Bauklötze, Schaukeln, Rutschen und vieles mehr. Mit Holzstäbchen lernen die Kinder zählen.

Momentane Herausforderungen

Zwar konnte mit dem Kauf des Gebäudes ein wesentlicher Grundstein für den Erhalt des Kindergartens gelegt werden, jedoch stehen doch andere Herausforderungen an - bzw. konnten einige Renovierungsarbeiten bisher bereits getätigt werden:

Mit relativ geringen Geldmitteln, wurden in den vergangenen Jahren die zwei winzigen Klassenräume vergrößert, so dass für die zwei Klassen mit je ca. 30 Kindern genug Platz ist. Auch wurden Glasscheiben in die Fenster eingesetzt, um auch in den Regenzeiten, in denen es auch in Uganda unangenehm kühl und windig werden kann, nicht zieht und kalt wird. Eine Wasserleitung wurde gelegt, was für die Leiterin Cate Naggai bedeutet, dass sie nicht täglich literweise Wasser von der Wasserstelle holen muss, um für die Hygiene der Kinder zu sorgen.

RenovierungObwohl der Kindergarten also alles in allem in einem gepflegten Zustand ist, gibt es natürlich immer etwas zu tun. Das dringlichste erschien mir die Reparatur des Daches zu sein, da es seit Jahren durch die alten Wellbleche regnet und so die Klassenräume in der Regenzeit stellenweise unbenutzbar werden. Mit Hilfe von Father Ssekewa Carles war es möglich einen ausführlichen Kostenvoranschlag für verschiedene Renovierungen des Kindergartens zu erstellen und mit den Arbeiten am Dach bereits im Februar 2005 zu beginnen. Die finanziellen Mittel reichten für die Erneuerung des Dachstuhles und des Halben Daches. Bis die fehlenden 1000,- Euro organisiert werden können, werden zunächst noch ca. 50 % der alten - hoffentlich teilweise noch funktionsfähigen - Wellbleche den Kindergarten bedecken.

Eine weitere Dringlichkeit wird in naher Zukunft der Kauf des Grundstückes darstellen. Im Jahr 2002 konnten wir zwar das Haus erwerben, das Land auf dem der Kindergarten steht, ist allerdings noch in fremden Besitz, was zum Glück bisher zu keinen Schwierigkeiten geführt hat.

Aber auch Kleinigkeiten wie die Erneuerung des Spielplatzes hinter dem Kindergarten wäre eine große Freude für die Kinder und Erzieherinnen.

Ziel

Das Ziel bleibt natürlich die Institution soweit wie möglich unabhängig zu machen, so dass diese sich durch das Schulgeld selbst tragen kann. Jedes Kind muss pro Term umgerechnet ca. 10 Euro bezahlen, so dass die Erzieherinnen bezahlt werden können und das Unterrichtsmaterial gekauft werden kann. Aus unterschiedlichsten Gründen ist dies nicht immer gewährleistet, so dass die laufenden Kosten immer wieder zum Problem werden.

Cates Familie

KateDie Dankbarkeit und Freude von Cate Naggai und ihrer Familie über die gesicherte Existenz des Kindergartens und das eigene Zuhause ist lebendig und spürbar. Der Kindergarten dient nicht nur den Kindern als Ort der Entwicklung, des Lernens und des Spielens, sondern bietet auch vielen Menschen ein Zuhause: Im Kindergarten wohnen momentan Cate Naggai, ihr Sohn Joseph, Ihre Mutter Theresa, in den Ferien eine Nichte und ein Neffe, deren Eltern beide an AIDS gestorben sind und eine der beiden anderen Erzieherinnen, die ein Mädchen aus der Verwandtschaft aufgenommen hat, deren Eltern ebenfalls an AIDs starben.

Cate Naggai hat zwei Kinder im Alter von 23 und 25 Jahren. Ihr Mann lebt mir einer anderen Frau zusammen.

Bildung - Investition in die Zukunft

AgnesAgnes, die Tochter von Cate, ist nur in ihren Ferien bei ihrer Mutter, ansonsten lebt sie in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Da sie in der Schule zu den Besten zählte, wurde ihr die staatliche Unterstützung für die Universität zugesichert. An der Makarere University in Kampala, der größten Universität Ugandas, studieren momentan ca. 26 000 Menschen, aber nur etwa 6000 Studierende werden staatlich unterstützt, d.h. sie müssen aufgrund guter Schulleistungen keine Studiengebühren bezahlen. So kann Agnes - auch aufgrund deutscher Spendengelder, da für die Unterkunft in einem Studentinnenwohnheim und ihr alltägliches Leben natürlich Geld benötigt wird (ca. 900 € pro Jahr)- Religion und Geschichte auf Lehramt studieren. Im nächsten Sommer wird sie ihr Studium beenden.

Joseph, der Sohn von Cate Naggai, vor gut zwei Jahren sein Abi gemacht, allerdings eben nicht als Klassenbester, so dass für ihn die Studiengebühren sehr hoch sind. Da er aber ebenfalls Lehrer werden möchte, wartet er gerade auf ein "kleines Wunder". Dennoch ergreift er Eigeninitiative und startet gerade ein Hühnerprojekt in Nnyendo, um so ein wenig zum Lebensunterhalt beizutragen.